GesundInEssen.de sprach mit Prof. Birgit Hailer, Fachärztin für Innere Medizin, Kardiologie, Internistische Intensivmedizin, Labormedizin im Rahmen der Inneren Medizin und Hypertensiologin DHL. Sie ist Chefärztin der Medizinischen Klinik II am Philippusstift.

Frau Prof. Hailer, welche Faktoren begünstigen die Bildung von Aneurysmen?
Der Lebensstil ist entscheidend für die Bildung von Aneurysmen. So erhöhen Rauchen, Bluthochdruck und fettreiches Essen die Wahrscheinlichkeit, strukturelle Gefäßwandschwächen, zu erleiden. Aneurysmen können aber auch im Rahmen von allgemeinen Gefäß- oder Bindegewebserkrankungen oder als Folge von Infektionen auftreten.

Aneurysmen entstehen völlig schmerz- und beschwerdefrei. Wie wird also festgestellt, dass man ein Aneurysma hat?
Aneurysmen sind in den häufigsten Fällen Zufallsfunde, da sie erst, wenn sie bereits stark ausgeprägt sind, Beschwerden hervorrufen. Die Beschwerden sind bei Bauchaortenaneurysmen häufig Rückenschmerzen oder Bauchdruck – also Symptome, die nicht sofort auf ein Aneurysma schließen lassen. Gab es in der eigenen Familie Fälle von Aneurysmenbildung, sollte man dies unbedingt ernst nehmen. Denn wenn ein Aneurysma platzt, kann die Situation sehr schnell lebensbedrohlich werden. Deshalb rate ich denjenigen, die eine entsprechende familiäre Vorbelastung haben: Gehen Sie in regelmäßigen Abständen zum Arzt, um sich untersuchen zu lassen. Aneurysmen lassen sich sehr gut behandeln, wenn Sie rechtzeitig gefunden werden.

Ab wann empfehlen Sie Patienten, einen Stent einsetzten zu lassen?
In Anlehnung an die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und der Gesellshaft für Angiologie empfehlen wir Patienten, die keine Beschwerden verspüren, ein therapeutisches Vorgehen erst, wenn der Durchmesser des Aneurysmas in der Aorta 5 cm übersteigt. In Absprache mit den Gefäßchirurgen wird entschieden, ob die Implantation eines Stents möglich ist, oder ob ggf. ein operatives Vorgehen zu wählen ist..

Ist es eine komplizierte Operation?
Ja. Das Einsetzten eines Stents bedarf einer sehr guten Vorbereitung. Wir haben hier Ärzte, die speziell audgebildet sind. Die Schwierigkeit besteht darin, den Stent korrekt zu positionieren, wobei die Implantation in mehreren Schritten erfolgt. Der sogenannte Hauptkörper wird in der Aorta abgesetzt, die sogenannten Füße positioniert man in den beiden Beckenarterien. Auf diese Weise entsteht eine Y-Prothese. Dabei dürfen keine wichtigen Gefäße wie die Nierenarterien überdeckt werden.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Prof. Hailer. Ihr Gesund in Essen Team.
Essen, 03.06.2014