Welche Erkrankungen nach einer Geburt auftreten können und weshalb die Beckenbodengymnastik für Frauen so wichtig ist, erklärt Dr. Martin Schütte, Leitender Arzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Katholischen Klinikum Essen.

Er hält und trägt. Er verschließt und lässt locker. Und das ein Leben lang. Trotzdem wird vielen Frauen der Beckenboden erst während einer Schwangerschaft richtig bewusst – in einer Lebensphase, die ihn stark beansprucht.

kke_schaubild_beckenbodenDas Becken befindet sich unterhalb des Bauches und oberhalb der Beine. Nach unten hin wird es vom Beckenboden abgeschlossen, der aus drei Schichten Muskulatur besteht. Stützende Bindegewebsstrukturen und Bänder halten die Bauchorgane wie Blase, Darm und die Gebärmutter an Ort und Stelle. Während der Geburt öffnet sich der Beckenboden so weit, dass sich das Kind seinen Weg in die Welt bahnen kann. „Bei der Geburt kann es allerdings vorkommen, dass die Haltestrukturen geschwächt werden. Harn- oder Stuhlinkontinenz sowie Blasen- und Gebärmuttersenkung sind mögliche Folgen“, sagt Dr. Schütte.

Nicht jede Gebärmuttersenkung ist behandlungsbedürftig
Nach einer natürlichen Geburt kann es im gesamten Beckenboden zu einer Senkung der Gebärmutter kommen. Auch die Harnblase oder das Rektum rutschen manchmal nach unten und sitzen dann tiefer im Becken als gewöhnlich. Zwischen 30 und 50 Prozent aller Frauen sind im Laufe ihres Lebens von einer Beckenbodensenkung betroffen. Belastende Symptome müssen sich aber nicht zwangsläufig bei jeder Frau einstellen; viele haben bei einer leichten Gebärmuttersenkung keine Beschwerden. Eine Behandlung ist nur im Fall einer stärkeren Gebärmuttersenkung mit spürbaren Symptomen nötig wie einem unangenehmen Druck- oder Fremdkörpergefühl im Beckenbodenbereich sowie Störungen beim Wasserlassen.

Funktionsstörungen einfühlsam behandeln
Belastende Folgen wie Harn- oder Stuhlinkontinenz sind für Patientinnen oft sehr bedrückend, ebenso die Neigung zum Harnverhalt, wie sie bei stärkergradiger Senkung vorkommt. „Viele betroffene Frauen können nicht mehr wie gewohnt ihrem Alltag nachgehen und ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück“, berichtet Frau Dr. Justine Szymeczek-Speth, die als Leitende Oberärztin zusammen mit Dr. Schütte und dem Team der Frauenklinik pro Jahr etwa 300 Frauen mit Beckenbodenerkrankungen behandelt. Am Katholischen Klinikum Essen werden alle erforderlichen Untersuchungen zur genauen Erkennung der Ursachen von Inkontinenzerkrankungen und anderen Blasenfunktionsstörungen in der Regel ambulant durchgeführt. Hierbei wird besonders auf ein einfühlsames Vorgehen geachtet. „Erkrankungen des Beckenbodens sind gut behandelbar. Uns steht eine ganze Reihe von konservativen Maßnahmen bis hin zu unterschiedlichen modernen Operationsmethoden zur Verfügung“, beruhigt die erfahrene Oberärztin.

Individueller Untersuchungs- und Behandlungsplan
Jede Patientin erhält einen individuellen Untersuchungs- und Behandlungsplan, um nicht notwendige und doppelte Untersuchungen zu vermeiden. Im Mittelpunkt steht eine enge Zusammenarbeit mit den betreuenden niedergelassenen Fachkollegen. Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Katholischen Klinikum Essen arbeitet zudem Hand in Hand mit Fachabteilungen wie der Urologie, Neurologie, Physiotherapie und mit dem Westdeutschen Magen-Darm-Zentrum.

Muskeltraining für die innere Mitte
Wie jeder Muskel, kann auch der Beckenboden trainiert werden. „Die Beckenbodengymnastik unter fachlicher Anleitung ist eine der wichtigsten konservativen Maßnahmen bei einer Beckenbodenerkrankung“, betont Dr. Schütte. Die Gymnastik mindert Inkontinenzbeschwerden und fördert bei vielen Frauen ein positives Körperempfinden.

„Mit dem Beckenbodentraining bieten wir Hilfe zur Selbsthilfe – unter fachlicher Anleitung lernen unsere Patientinnen effektive Übungen, die sie dann auch zu Hause durchführen können. Wir legen damit die Verantwortung für die Gesundheit wieder ein Stück weit in die Hände unserer Patientinnen. Unserer Erfahrung nach hat das vielen Frauen sehr gut getan“, zieht Dr. Schütte positiv Bilanz.

Ihre Fachklinik vor Ort
Katholisches Klinikum Essen
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
Dr. Martin Schütte
Leitender Arzt

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