Die Hand zittert, die Mimik erstarrt, die Bewegungen werden immer langsamer – allein in Deutschland leiden etwa 300.000 Menschen an dem sogenannten Parkinson-Syndrom. Darunter auch Prominente wie Fußballtrainer Udo Lattek oder der Kabarettist Ottfried Fischer, der seine Krankheit 2008 öffentlich gemacht hat.

Noch ist Parkinson nicht heilbar, aber inzwischen gut zu behandeln. „In den letzten 20 Jahren wurden neue, vielversprechende Therapieansätze entwickelt, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Horst Gerhard, Chefarzt der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie am Philippusstift des Katholischen Klinikums Essen.

Meist treten die ersten Symptome im Alter zwischen 60 und 70 Jahren auf.

Was ist Parkinson?

Parkinson ist eine langsam fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, bei der bestimmte Dopamin erzeugende Nervenzellkerne des Gehirns absterben, die für die Bewegungssteuerung zuständig sind. Meist treten die ersten Symptome im Alter zwischen 60 und 70 Jahren auf. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Betroffenen sind jünger als 40 Jahre.

Dopamin-Mangel und die Folgen

Fehlt der Botenstoff Dopamin, kommt es zu Störungen der Grob- und Feinmotorik. „Es gibt drei sogenannte Kardinalsymptome, die besonders häufig vorkommen. Das sind Akinese, also Bewegungsarmut, Rigor, also Muskelsteifheit, und letztlich der Tremor, das berühmte Zittern, das viele Parkinson-Patienten aufweisen“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Gerhard. Bei Akinese fallen den Patienten willkürliche Bewegungen wie Aufstehen, Gehen oder Umdrehen zunehmend schwer und die Bewegungen werden insgesamt langsamer. Ihre Mimik verändert sich, die Schrift wird ungelenk. Die Sprache wird leiser und ist wenig moduliert. Hat der Patient eine ständig erhöhte Muskelspannung, so dass der Körper immer unbeweglicher wird und Nacken und Schultern schmerzen, spricht man von Rigor. Leidet der Patient unter dem Tremor, ist das Zittern zunächst einer Hand im Ruhe- zustand besonders auffällig. Es kann sich bei Aufregung verstärken und später auf andere Körperteile übergreifen. Parkinson-Patienten geraten leicht aus dem Gleichgewicht, da es ihnen nicht mehr gelingt, Bewegungsänderungen schnell genug auszugleichen. Man spricht dann von einer Haltungsinstabilität.

Typische Begleitsymptome

Inzwischen weiß man, dass bei Parkinson unter anderem auch das vegetative Nervensystem betroffen ist. Dadurch kommt es u. a. zu Störungen des Magen-Darm- Trakts, des Herz-Kreislaufsystems und der Blasentätigkeit. Deshalb haben Parkinson-Kranke Symptome wie Verstopfung oder Durchfall, Kreislaufregulationsprobleme oder leiden an Inkontinenz. Vor allem aber hinterlässt die Krankheit Spuren auf der Seele: Die Betroffenen leiden oft unter Antriebsschwäche, sie ermüden rasch, jeder Vierte entwickelt eine Depression. Darüber hinaus erkranken etwa die Hälfte der über 75-jährigen Parkinson-Patienten an einer Demenz – etwa sechsmal mehr als Gesunde in dieser Altersgruppe.

Patienten klagen oft über Verdauungsprobleme, Rückenschmerzen oder depressive Verstimmungen – lange bevor die Hand zittert oder der Körper auf Zeitlupe umschaltet

Echte Detektivarbeit – die richtige Diagnose

Parkinson entwickelt sich schleichend. „Viele Patienten, die zu uns in die Sprech- stunde kommen, haben bereits eine längere Odyssee durch Arztpraxen hinter sich. Sie klagen oft über Verdauungsprobleme, Rückenschmerzen oder depressive Verstimmungen – lange bevor die Hand zittert oder der Körper auf Zeitlupe umschaltet“, sagt Priv.-Doz. Dr. Gerhard und nennt auch den Grund dafür: „Zwei Drittel der Nervenzellen müssen bereits abgestorben sein, bevor sich die ersten Bewegungsstörungen überhaupt zeigen. Wertvolle Zeit, die für die Therapie verloren geht.“ Zur Diagnose werden neben der klinischen Untersuchung insbesondere drei Verfahren eingesetzt: Die cerebrale Parenchymultraschalluntersuchung zeigt Veränderungen des Nervensystems, die medikamentöse Testung zeigt, ob die Dopamingabe die Symptome deutlich verbessert, und eine nuklearmedizinische Untersuchung stellt Veränderungen des Dopaminstoffwechsels in dem Hirnareal dar, das bei der Parkinsonerkrankung betroffen ist. Bei Betroffenen mit Bewegungsstörungen wird eine Kernspinuntersuchung des Kopfes durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Ganzheitliche Behandlung für mehr Lebensqualität

Am Katholischen Klinikum Essen liegt der Fokus darauf, so früh wie möglich mit einer individuell angepassten Therapie zu beginnen. Zunächst muss die optimale Medikamenten-Kombination gefunden werden, um den Mangel an Dopamin vorsichtig und möglichst gleichmäßig auszugleichen. Insbesondere auf die modernen Präparate sprechen Patienten im frühen Stadium der Krankheit meist gut an und sind längere Zeit nahezu beschwerdefrei. Im weiteren Krankheitsverlauf ist ein fächerübergreifender Therapieansatz erforderlich, um die typischen Begleitsymptome wie Herz-Kreislaufprobleme, Magen-, Darm- oder Blasenbeschwerden, Schmerzsyndrome, Schluckbeschwerden oder Depressionen zu lindern. Dazu gehören neben Medikamenten, Krankengymnastik, Logopädie, Schlucktherapie und Ergotherapie auch psychologische Betreuung sowie alternative Schmerztherapien oder Musik- und Aromatherapien.

Welt-Parkinson-Tag am 11. April 2015

Das Leben trotz Parkinson genießen – so lautet die Botschaft des Welt-Parkinson- Tages, der jedes Jahr am 11. April stattfindet, um die Öffentlichkeit mit Veranstaltungen und Aktionen über die Krankheit und die Arbeit der Selbsthilfegruppen zu informieren. Priv.-Doz. Dr. Gerhard unterstützt diesen Ansatz: „Sich zu verstecken, das ist keine Lösung. Je mehr sich die Patienten öffnen, umso eher können wir die Symptome behandeln.“