Schadstoffe abbauen, Nährstoffe speichern, Eiweißstoffe aufbauen – die Leber spielt in unserem Stoffwechsel eine zentrale Rolle. Sie ist quasi im Dauereinsatz, nahezu schmerzunempfindlich und hart im Nehmen. Wenn sie allerdings erkrankt, weil ihr beispielsweise zu viele Schadstoffe zugeführt werden, kann das schlimme Folgen haben.

Die Leber ist das größte innere Organ des Körpers. Sie liegt direkt unter dem Zwerchfell im rechten Oberbauch. Ihre Aufgabe besteht darin, den Stoffwechsel des Menschen zu unterhalten. Fortwährend gelangen Nährstoffe in den Blutkreislauf, die die Leber abbaut, umwandelt, verwertet, speichert oder weiterleitet. Mit der Nahrung oder über die Haut und Atemwege aufgenommene Schadstoffe werden von der Leber für die Ausscheidung vorbereitet.

„Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland, und etwa die Hälfte aller an Darmkrebs erkrankten Patienten entwickelt früher oder später Metastasen in der Leber.“

„Die ständige Auseinandersetzung mit Abbauprodukten kann die Leber überlasten. Ihre Zellen können sich dann nicht mehr regenerieren“, sagt Priv.-Doz. Dr. Olaf Guckelberger, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasive Chirurgie am Philippusstift des Katholischen Klinikums Essen. Statt gesundem Lebergewebe bilden sich aus übermüdeten Zellen funktionsloses Bindegewebe. Diese Erkrankung heißt Leberzirrhose. „Neben der Funktionseinschränkung ist das gefährliche an einer Leberzirrhose, dass sich in der kranken Leber häufig Tumoren bilden“, sagt Priv.-Doz. Dr. Guckelberger.

Darmkrebsmetastasen in der Leber

Doch auch eine völlig gesunde Leber kann von Krebs befallen werden, zum Beispiel wenn ein Mensch an Darmkrebs erkrankt. Dann gelangen Krebszellen über den Blutkreislauf in die Leber, setzen sich dort fest und bilden Metastasen (Tochtergeschwülste). „Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland, und etwa die Hälfte aller an Darmkrebs erkrankten Patienten entwickelt früher oder später Metastasen in der Leber“, so Priv.-Doz. Dr. Guckelberger. Deshalb liegt dem renommierten Chirurgen und anerkannten Leberspezialisten, der nach zweijähriger Forschungstätigkeit an der Harvard Medical School in Boston (USA) viele Jahre an der Berliner Charité lehrte und arbeitete, der Ausbau der onkologischen Chirurgie, also der operativen Krebsentfernung, und insbesondere die Behandlung von Lebermetastasen besonders am Herzen.

Früherkennung hilft

„Viele Patienten merken lange nichts davon, wenn ihre Leber erkrankt ist“ so Priv.-Doz. Dr. Guckelberger. Deswegen rät der Leberspezialist zu Vorsorge-untersuchungen. Zudem kann eine Impfung gegen Hepatitis, eine Infektions-krankheit der Leber, sinnvoll sein. „Die Früherkennung von Leberschäden und –krebs ist äußerst wichtig, da sich Lebererkrankungen im frühen Stadium gut behandeln lassen“, so Priv.-Doz. Dr. Guckelberger.

Die Frage lautet nicht: Operation oder konservative Therapie, sondern: Was können Operation und konservative Therapie gemeinsam erreichen?

Innovative Behandlungskonzepte

Am Katholischen Klinikum Essen ist die Arbeit aller Fachkliniken und Spezialisten eng miteinander verknüpft. Die Leberspezialisten der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasive Chirurgie arbeiten Hand in Hand mit der gastroenterologischen, onkologischen und radiologischen Abteilung des Hauses sowie dem Verbund des Westdeutschen Magen-Darm-Zentrums. Dadurch werden Abläufe beschleunigt und Doppeluntersuchungen vermieden. Das entlastet die Patienten. Neben der Operation können nicht-operative Therapien, z. B. Medikamente, radiologisch gesteuerte Eingriffe oder eine Strahlentherapie, die Heilungschancen bei Leberkrebs oder Metastasen deutlich verbessern. Die Frage lautet nicht: Operation oder konservative Therapie, sondern: Was können Operation und konservative Therapie gemeinsam erreichen?

Die Leber ist ein echter Überlebenskünster.

Moderne Leberchirurgie

„Ist eine Operation unumgänglich, so führen wir diese nach Möglichkeit minimalinvasiv unter Einsatz hochmoderner ultraschallgestützter Verfahren durch“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Guckelberger die Vorgehensweise seines Teams, „auf diese Weise ist eine besonders präzise, blutungsarme und schonende Durchtrennung des Gewebes möglich. Weitere Vorteile der minimalinvasiven Chirurgie sind die schnelle Wundheilung und kleinere Narben.“ Ist noch ausreichend gesundes Gewebe vorhanden, können die Leberzellen nach der Entfernung eines Tumors oder von Metastasen nachwachsen. Das macht den Stoffwechsel-Manager zu einem echten Überlebenskünstler.

Lesen Sie hier ein Interview mit Dr. Guckelberger zum Thema Lebererkrankungen und Leberchirurgie.