Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, gehört zu den Volkskrankheiten Nummer eins. Mindestens 20 Millionen Deutsche leiden daran, das ist jeder vierte Bürger. Vielen Menschen ist nicht bekannt, dass die Nieren bei der Regulierung des Blutdrucks eine zentrale Rolle spielen. Dabei können sie einen wirkungsvollen Ansatz zur Behandlung bieten, wenn sich Blutdruck medikamentös nicht senken lässt.

Therapierefraktärer Bluthochdruck

Die Nieren greifen über die Ausschüttung von Hormonen in die Blutdruckregulation ein. Deshalb sind sie bei der Regulierung des Blutdrucks von zentraler Bedeutung. Ist die Abgabe dieser Stoffe durch eine veränderte Nierenfunktion gestört, kann es zu einem Blutdruckanstieg kommen. Prof. Dr. Birgit Hailer, Chefärztin der Medizinischen Klinik II am Philippusstift des Katholischen Klinikums Essen, behandelt jedes Jahr mehr als 500 Patienten mit Hypertonie und erläutert die Therapiemöglichkeiten: „Zuerst versuchen wir, den Blutdruck durch konventionelle Therapien, wie Ernährungsumstellung, Bewegungstherapie und Gewichtsreduktion, in Verbindung mit Medikamenten zu senken.“

Bei der Renalen Denervation werden einzelne Nervenbahnen, welche die Nieren mit dem Gehirn verbinden, unterbrochen.

Hat dies keinen Erfolg, spricht man von therapierefraktärem Bluthochdruck, also Bluthochdruck, der nicht über Medikamente eingestellt werden kann. „Dann müssen wir zunächst herausfinden, ob eine sekundäre Ursache (z.B. eine Einengung der Nierenarterie oder ein sog. Schlaf-Apnoe-Syndrom) für den hohen Blutdruck verantwortlich ist. Ist das nicht der Fall, liegt wie bei den meisten Patienten eine primäre Hochdruckerkrankung vor, für die ein invasives Verfahren, die sog. renale Denervation, in Frage kommt“, sagt Prof. Hailer.

Bluthochdruck durch Nervenverödung behandeln

Die renale Denervation wird seit 2011 am Katholischen Klinikum Essen durchgeführt. Bei dieser modernen Methode werden einzelne Nervenbahnen, welche die Nieren mit dem Gehirn verbinden, unterbrochen. Der Operateur führt einen Katheter in die Nierenarterie ein und kann auf diese Weise einzelne Nervenbahnen punktgenau durch Hitze veröden.

Durch die Trennung dieser Verbindung können die Nieren die blutdruckerhöhenden Hormone nicht mehr ausschütten

Diese Methode ist nicht vollkommen schmerzfrei, so dass der Eingriff in einer leichten Narkose durchgeführt wird. Die sogenannten Verödungspunkte werden in Abständen von 5mm in einem spiralförmigen Muster gesetzt. „Durch die Trennung dieser Verbindung können die Nieren die blutdruckerhöhenden Hormone nicht mehr ausschütten“, erläutert Prof. Hailer.

Nachhaltige Senkung des Blutdrucks

Bei den meisten Patienten reicht die Durchführung einer renalen Denervation aus, um den Blutdruck nachhaltig zu senken. „Es gibt Fälle, in denen die Trennung der Nervenbahnen nicht ausreicht, um den Blutdruck zu senken. Bei diesen Patienten stellt sich der Erfolg meistens in Verbindung mit der weiteren Einnahme blutdrucksenkender Medikamente ein“, sagt Prof. Hailer.